Vernetzt gegen Misshandlung

Newsletter August 2016


Sehr geehrte Damen und Herren


Sie erhalten heute die fünfte Ausgabe des Newsletters «Vernetzt gegen Misshandlung».


Nationale Statistik zu Kindeswohlgefährdung in der Schweiz


In der Schweiz fehlen verlässliche Zahlen, wie viele Kinder im Land Vernachlässigung, körperliche oder psychische Misshandlung, Missbrauch und weitere Formen der Kindeswohlgefährdung erfahren. So fehlt auch das Wissen darüber, ob die betroffenen Kinder erreicht und wie sie unterstützt und betreut werden. Diese mangelhafte Datenlage hat die UNO bei der Überprüfung der Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Schweiz kritisiert (vgl. nachfolgend Interview mit Stefanie Knocks, Netzwerk Kinderrechte Schweiz). Im Rahmen der Optimus Studie werden nun erstmals für die ganze Schweiz Daten zu gemeldeten Formen von Kindeswohlgefährdung gesammelt und ausgewertet. Mit einer verbesserten Datenlage verfolgt die Optimus Studie das Ziel die Unterstützung, Hilfe und den Schutz für die betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Schweiz zu optimieren.


Minimaler Aufwand für Studienteilnahme durch die Nutzung bereits erfasster Daten

Im Juli hat das Optimus Studienteam 446 Organisationen aller Kantone aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, dem zivilrechtlichen Kindesschutz sowie dem strafrechtlichen Bereich für die Teilnahme an der Optimus Studie angefragt. Ausgewählt wurden die Organisationen mittels eines Zufallsverfahrens. An der Studie teilnehmende Organisationen stellen dem Studienteam ihre Daten zur Verfügung, indem sie diese anonymisiert aus ihrem Fallverarbeitungsprogramm extrahieren und in die webbasierte Studiendatenbank laden. Durch die Nutzung bereits erfasster Daten, wird der Aufwand für die teilnehmenden Organisationen minimiert. Die Datenschutzvorkehrungen dieses Vorgangs und der Studiendatenbank wurden vorgängig von kantonalen und kommunalen Datenschutzbeauftragten geprüft und positiv beurteilt. Die Ethikkommission Nordwest- und Zentralschweiz hat der Studie eine Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt. Das Gelingen der Studie hängt stark von der Teilnahme der angefragten Organisationen ab. In diesem Sinne hofft das Studienteam, dass sich Organisationen aus allen Kantonen und aus allen genannten Bereichen des Kindesschutzes beteiligen. Bisher stellen 135 Organisationen ihre Daten für die Optimus-Studie bereit.

Weitere Informationen


Nationale und interkantonale Akteure unterstützen die Optimus Studie


Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (KOKES), die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP), das Bundesamt für Statistik (BFS) sowie die Conférence Latine de Promotion et de Protection de la Jeunesse (CLPPJ) uvw. unterstützen die Optimus Studie. Unter Zustimmung der KESB ermöglicht die KOKES darüber hinaus den Zugriff auf ihre Statistik-Datenbank; ebenso stellt die FG Kinderschutz der SGP ihre nationale Statistik der Kinderschutzgruppen der Schweizer Kinderkliniken zur Verfügung. Das Bundesamt für Statistik ermöglicht die Nutzung der Daten der Opferhilfestatistik sowie der Polizeilichen Kriminalstatistik. Mithilfe dieser wertvollen Zusammenarbeit wird die Teilnahme an der Optimus-Studie für viele Organisationen stark vereinfacht.


Interview mit Stefanie Knocks, Netzwerk Kinderrechte Schweiz


Dem gemeinnützigen Verein «Netzwerk Kinderrechte Schweiz» gehören derzeit rund 45 schweizerische Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Kindesschutz und Kinder- und Jugendförderung an sowie Fachorganisationen, die mit und für Kinder arbeiten. Sie setzen sich gemeinsam für die Anerkennung und Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in der Schweiz ein. Die Hauptaufgabe des Netzwerks ist die Berichterstattung an den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, der die Fortschritte und Hindernisse bei der Verwirklichung der Kinderrechte in der Schweiz regelmässig überprüft. Dr. Stefanie Knocks, Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin, ist seit 2013 Geschäftsführerin des Netzwerks.


Der UN-Kinderrechtsausschuss hat 2015 seine Empfehlungen zur besseren Umsetzung der Kinderrechte in der Schweiz abgegeben. Kritisiert wurde u.a. die Datenlagen zu Schutz und Hilfen für Kinder in der Schweiz. Welche Datenlücken sollten besonders dringend angegangen werden?



Der Ausschuss ist besorgt darüber, dass es keine umfassenden Daten und Studien zu Kindern gibt, die unter Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung, sexueller Gewalt oder häuslicher Gewalt leiden. Er empfiehlt der Schweiz daher, eine nationale Datenbank zu allen Formen von Gewalt an Kindern zu erstellen, in der auch Fälle von Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung und häuslicher Gewalt erfasst werden sowie weitere Studien zum Ausmass und zu den Ausprägungen der Gewalt an Kindern durchzuführen.

Zum vollständigen Interview 


Internationale Koryphäe zum Thema Kindesmisshandlung in der Schweiz

Der Soziologe Prof. David Finkelhor, Universität New Hampshire, befasst sich seit den 70er Jahren mit Kindsmisshandlung und Gewalt in der Familie. Mit seinem Grundlagenwerk zu sexuellem Missbrauch von Kindern Sourcebook on Child Sexual Abuse (1986) und seiner Forschung hat er sich international einen Namen als Experte geschaffen. Am 9. Mai 2016 diskutierte er aktuelle Fragen zur internationalen Entwicklung und Verbesserung des Kindesschutzes an einer Abendveranstaltung der Universität Lausanne. Gerne stellen wir Ihnen die Präsentation sowie eine kurze Zusammenfassung des Referats von Prof. Finkelhor zur Verfügung: «Explaining Declines in Youth Delinquency, Violence and Risk Taking».


Links zu weiteren News im Kindesschutz


Das Observatoire de la maltraitance envers les enfants (OME), Centre de recherche sur la famille et le développement der Universität Lausanne, die Dienststelle für Kindesschutz des Kantons Waadt, die Kinderschutzgruppe des Lausanner Universitätsspitals sowie assoziierte Mitglieder veranstalten am 4. November 2016 die Konferenz zu Misshandlung und kulturellen Kontexten an der Universität Lausanne.


Der erste Bericht zum Kindes- und Erwachsenenschutz liegt vor. Im Auftrag des Bundes erfasste Interface die organisatorische Umsetzung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden und zeigt Kennzahlen zu den Leistungen und Kosten im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht auf.


Der Stand des Verbots von Körperstrafen an Kindern wurde von der «Global Initiative to End all Corporal Punishment» auf einer interaktiven Weltkarte zusammengestellt.


Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Lausanne hat eine Bevölkerungsumfrage über die Viktimisierung und Delinquenz unter Jugendlichen im Kanton Waadt wiederholt.


Das Amt für Kindes- und Erwachsenenschutz des Kantons Zug und die Rektorenkonferenz der Zuger Schulen haben einen Leitfaden zur Zusammenarbeit zwischen Schule und KESB entwickelt.


Das Präventionsprogramm der Stadt Zürich zur Reduktion von Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen wurde evaluiert und positiv bewertet.


Anfang 2016 wurde das «Handbuch Kindes- und Erwachsenenschutz» veröffentlicht. Das Handbuch bietet eine Praxisanleitung für Behördenmitglieder, Beiständinnen und Beistände sowie künftige Fachkräfte im Kindes- und Erwachsenenschutz. 


Eine vom Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, in Auftrag gegebene Studie weist sexuellen Missbrauch an Kindern im Pensionat Marini, im Kanton Fribourg, von 1929 bis 1955 nach.


Impressum

Dieser Newsletter ist unter den folgenden Links auch auf Französisch und Italienisch verfügbar. Der nächste Newsletter folgt voraussichtlich im März 2017.

Anregungen, Fragen und Rückmeldungen zur Optimus Studie können Sie uns gerne per E-Mail mitteilen.

Hochschule Luzern - Soziale Arbeit
Werftestrasse 1    
Postfach 2969
CH-6002 Luzern    
www.hslu.ch/optimus3

Observatoire de la maltraitance envers les enfants
Université de Lausanne, Faculté des Sciences Sociales
Bâtiment Géopolis
CH-1015 Lausanne
www.unil.ch/ome/optimus3

 

Das Projekt wird durch die UBS Optimus Foundation gefördert.

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